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Vom Chef zum Kloputzer

 

Vom Chef zum Kloputzer

Die Familienunternehmer Daniel und Roxanne Ruscheinsky haben unter neuer Identität an der RTL-Serie Undercover Boss teilgenommen. Sie erzählen, wie sie die Sendung erlebten. 

Von Romina Schmid

13.07.2026

Wir sind die Guten“, sagt Daniel Ruscheinsky. Damit meint er die Autohöfe, von denen seine Familie 15 besitzt. „Die Guten“ sind sie, weil Autohöfe in der Regel billiger seien als Raststätten, die direkt an der Autobahn liegen. Das ist ihm wichtig zu betonen. Er ist einer in einem Dreiergespann von Geschwistern, die die Regensburger 24-Autohof-Gruppe leiten. Von ihrem Büro aus steuern sie alles. Nun haben sich zwei von ihnen in die Sendung Undercover Boss bei RTL gewagt. In ihrem Konferenzraum im vierten Stock eines Gebäudes im Regensburger Osten sitzen Daniel und Roxanne Ruscheinsky, in Bluse und Hemd, eines der Fensterbretter quillt über mit Pokalen. Seit 2013 sind sie jedes Jahr zur besten Autohofkette Deutschlands gewählt worden. Für die Pokale müsste schon fast eine neue Vitrine angeschafft werden, überlegen die Geschwister laut. Meist sitzen sie in ihren Büros in Meetings, schauen sich Zahlen an, fahren gelegentlich raus zu ihren Autohöfen. Seit Jugendtagen arbeiten sie im Familienunternehmen, der 24-Autohof-Gruppe. Das sei nicht so gewesen, dass sie nur in die Fußstapfen ihres Vaters treten mussten, sie haben sich die Dinge durchaus erarbeiten, erzählt Daniel Ruscheinsky.

Das Kamerateam filmte, er ließ sich nichts anmerken

Aber manche Dinge, sagt Daniel Ruscheinsky, die erfahre man eben erst, wenn man vor Ort sei, wenn man die Wege laufe, die Brezen schmiere. Und die erfahre man auch erst, wenn man sich den eigenen Betrieb unter einer anderen Identität ansehe. Das ist das Konzept der RTL-Sendung Undercover Boss. Als „alles andere als einfach und schon sehr eklig“ beschreibt er eine Toilette, die er gleich zu Beginn seiner Schicht im Putzdienst sauber machen sollte. Da habe man ein unschönes Exemplar ausgesucht, das er reinigen musste. Das Kamerateam habe ordentlich draufgehalten, ihn gefragt, wie es sei – er habe sich nichts anmerken lassen. Er und seine Geschwister entwerfen normalerweise die Laufwege, die an den Autohöfen geplant werden müssen, die Bestell-Terminals, an denen man ohne Kontakt zum Mitarbeiter Sandwiches bestellen kann. Die Betreiber übernehmen die vorhandene Infrastruktur, die Angestellten probieren es aus. Die Mitarbeiter der Autohöfe setzen ein Extralächeln auf, betreiben Aufwand, wenn die Ruscheinskys kommen – ein eingeübter Ablauf. Bis letzten September. Da konnten sich Daniel und Roxanne Ruscheinsky inkognito herausfinden: „Wie läuft es wirklich?“ Der erste Schritt war ein stundenlanges Umstyling. Roxanne Ruscheinsky wurde „völlig überschminkt“. Jahre älter habe sie danach ausgesehen. Sie bekam eine Ponyfrisur verpasst, dazu Glitzerschmuck, auffällige Fingernägel und den Namen „Michelle“. Hätte jemand gefragt, hätte Michelle antworten können, dass sie Zeit im Ausland verbracht und dort in Corona-Testzentren gearbeitet hat. Alles Teil der neuen Identität. Ihr Bruder schlüpfte in die Rolle eines Rockers mit Klebetattoos, Lederarmbändern und Holzfällerhemden.

Die Geschichte, die den Mitarbeitern erzählt wurde

Roxanne Ruscheinsky wurde unter anderem am Autohof-Standort in Bad Rappenau eingesetzt, wo auch das Bikini-Art-Museum steht, das zum Familienunternehmen gehört – damit habe ihr Vater „Kultur an die Autobahn bringen“ wollen. Gewundert hätte es sie nicht, wenn sie dort trotz Verkleidung erkannt worden wäre. Sie kenne dort schließlich alle Mitarbeiter. Aber die neue Identität hielt. Sie stieß jedoch auf ganz andere Probleme: eine Mitarbeiterin habe ihr „ordentlich eingeheizt“. RTL schreibt auf der Website, dass sie für ihre Arbeitsweise kritisiert worden sei. Und trotzdem habe es ihr Spaß gemacht, sagt sie. Die Mitarbeiter waren aber nicht komplett ahnungslos, sie wussten, dass ein Dreh läuft. Kurze Interviews wurden aufgenommen, die später in der Sendung eingespielt werden sollten. Nur dachten die Interviewten, es gehe darum, mögliche Bewerber zu bewerten. Darum, dass Daniel und Roxanne Ruscheinsky möglicherweise bald ihre Kollegen werden. Bis zur Enthüllung. Da waren alle zusammen im Studio. Daniel Ruscheinsky begrüßte die Kollegen, mit denen seine Schwester zusammengearbeitet hatte, und dann habe sie in ihrem Businessoutfit den Raum betreten. Es flossen Tränen, es wurden Geschenkeüberreicht. Doch vermutet, dass es sich bei der Sendung in Wahrheit um Undercover Boss handle, habe niemand. 

Hat ein Mitarbeiter die wahre Identität erkannt?

Auch wenn es einen Schreckmoment gab, in dem die Fassade zu bröckeln schien. In Wernberg arbeitete Daniel Ruscheinsky im Hausmeisterdienst. Als er dort auf seinen Kollegen traf, mit dem er für den Dienst eingeteilt war, habe der ihn recht komisch angeschaut, so, als ob er wisse, wer sein Gegenüber ist. Letztendlich, sagt Roxanne Ruscheinsky, sei sie begeistert davon gewesen, was die Mitarbeiter über ihr Unternehmen gesagt hätten. Auch das eingespielte Team dort habe sie „schwer begeistert“. „Diese Jobs sind wirklich nicht leicht“, sagt ihr Bruder. Dass diese Jobs nicht gerade gut bezahlt seien, das wisse jeder. Jetzt habe er auch erlebt, wie viel etwa in den Service-Schichten zu tun sei. In der Zeit nach der Sendung haben die Geschwister bereits erste Lehren gezogen – die Wegeführung verbessert, Erweiterungen für ihre E-Ladeparks angestoßen. Dinge, auf die man eben bloß achten könne, wenn man alles ausprobiere. Die Werbung, die sie durch Undercover Boss für das Unternehmen bekämen, sei natürlich schön. Nicht nur in dieser Sendung, sondern auch beim Stern-TV-Gehaltscheck, an dem sie teilnahmen, und bei einer anderen Sendung mit Joko und Klaas. Aber garantiert, dass vor laufender Kamera nur Gutes über das Unternehmen erzählt werde, sei es eben nicht gewesen. Was genau auf der Undercover Mission vor laufender Kamera passierte, das erfährt man am Montag, 13. Juli, um 20.15 Uhr auf RTL.

 

Zum Originalartikel: https://www.idowa.de/regionen/woerth-und-regensburg/regensburg/regensburger-familienunternehmer-bei-undercover-boss-art-404601


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