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Wenn der Firmen-Chef die Toilette schrubbt

 

Wenn der Firmen-Chef die Toilette schrubbt

Die Autohof-24-Geschäftsführer Roxanne und Daniel Ruscheinsky waren als „Undercover Bosse“ unterwegs und haben einiges über sich selbst und die Mitarbeiter gelernt  

Von Armin Guzy

13.07.2026

Bad Rappenau. „Das war schon sehr ekelig“, erinnert sich Daniel Ruscheinsky. Da hatte man ihm doch gleich zum Start ein „besonders schönes Exemplar“ von Toilette präsentiert, deren letzter Benutzer offenkundig nicht die rudimentärste Hygiene-Erziehung genossen hat. Also begann der 41-Jährige zu Schrubben, glücklicherweise etwas abgelenkt durch die Enge der Kabine, die er sich auch noch mit einem Kameramann teilen musste. „Da habe ich schon gesehen, was Mitarbeiter so leisten, die das täglich machen“, sagt Daniel Ruscheinsky. Gemault hat er nicht. Er habe „den persönlichen Anspruch“ gehabt, sagt er, alle Aufgaben möglichst gut zu erledigen, die ihm beim Dreh für die RTL-Sendung „Undercover Boss“ gestellt wurden. Mit von der Partie war auch seine 29-jährige Schwester Roxanne, die unter anderem in einer Nachtschicht im 24-Total-Autohof Bad Rappenau Nord Brezeln aufgebacken, Regale eingeräumt und kassiert hat. Beide leiten zusammen mit ihrer Schwester Jessica Böse und Daniel Weber die Familienunternehmensgruppe 24-Autohöfe. Ihre Jobs als Undercover Bosse waren fordernd und lehrreich, sagen sie im Rückblick.

Die Produktionsfirma der Serie war bereits Anfang 2025 auf das Unternehmen zugekommen – „wohl auch, weil wir medial schon mehrmals präsent waren“, sagt der 41-Jährige und verweist unter anderem auf das Format „Joko und Klaas“, das Anfang 2025 in Bad Rappenau gedreht wurde. Er selbst sei gleich begeistert gewesen, weil er darin eine große Chance gesehen habe, berichtet Daniel Ruscheinsky im Gespräch mit der RNZ; bei seinen Schwestern sei „etwas Überzeugungsarbeit“ erforderlich gewesen. Das Jessica Böse hochschwanger war und die Produktionsfirma einen Mann und eine Frau wollte, blieb nur Roxanne Ruscheinsky übrig – und sagte schließlich zu. Für die insgesamt sechs Drehtage tauschten die Geschwister dann feinen Business-Zwirn gegen Alltagskleidung und wurden in einem eigens gemieteten Friseursalon komplett umgestylt. „Ich hab’ wirklich schlecht ausgeschaut“, findet Daniel Ruscheinsky, der eine Glatze rasiert bekam und mit Brille, Lederhose, Holzfällerhemd, Klebetattoos und natürlich mit falschem Namen ausstaffiert wurde. Seine Schwester Roxanne hingegen bekam eine neue Frisur, ebenfalls eine Brille auf die Nase und markanten Nagellack verpasst. „Ich fand’s ganz cool“, sagt ihr Bruder und räumt ein, dass die größte Angst der Geschwister gewesen sei, trotzdem von den Mitarbeitenden der Tankstellenpächter erkannt zu werden, schließlich sind sie oft mehrmals pro Jahr als Eigentümer der Immobilien vor Ort, besonders oft in Bad Rappenau, auch wegen des dortigen Hotels und des Bikini-Art-Museums, das ihr Vater Alexander Ruscheinsky gegründet hat. „An Anita kommen wir nicht vorbei“, hatte Daniel Ruscheinsky in Bezug auf eine dortige Autohof-Mitarbeiterin befürchtet. Es kam anders. Anita erkannte Roxanne Ruscheinsky nicht und war sogar besonders streng zu ihr, weil ihr die unerkannte Chefin etwas zu langsam arbeitete. Dass dabei Kameraleute anwesend waren, wurde mit Dreharbeiten für ein anderes Format erklärt – offenbar glaubwürdig, denn bis zur Auflösung in einem Studio in Berlin schöpfte niemand Verdacht; mit Ausnahme eines Hausmeisters, der ihn möglicherweise doch erkannt, aber nichts dazu gesagt habe, berichtet Daniel Ruscheinsky. „Er hat von Anfang an etwas skeptisch geschaut.“ Am Ende, bei der Auflösung, als alle Mitarbeitenden gefragt wurden, ob sie die beiden einstellen würden, sagte der Hausmeister gleich „ja“. Besonders gefreut hat sich Daniel Ruscheinsky aber über die Aufforderung einer Mitarbeiterin, die nach Schichtende aufforderte: „Bewirb dich bei uns!“ In Bezug auf seine Zukunft als Toilettenreinigungskraft bekam er hingegen eine Abfuhr. „Das hat mich etwas enttäuscht“, räumt er ein.

Überrascht war er hingegen, dass überhaupt nichts an der Sendung gefakt sei. Die plausible Legende von den Jobsuchenden, die mit der Kamera begleitet würden, habe funktioniert. „Bei Auflösung waren alle so was von überrascht – das war ultracool!“ berichtet der Firmenchef, aber auch, dass ihn überrascht habe, wie kollegial die Mitarbeiter untereinander sind. Eine Erkenntnis, die vor allem Roxanne Ruscheinsky in ihrer Nachtschicht gewonnen hat, ist die, dass es in der Gastronomie kaum Leerlauf und viel mehr zu tun gibt, als die Geschwister vermutet hatten – und unter anderem auch, dass die Autohöfe künftig Kühlschränke bekommen sollen, die von hinten zu befüllen sind. „Das und einige andere technische Details werden künftig anders“, sagt Daniel Ruscheinsky. Aber auch die Wertschätzung für die Mitarbeiter der Autohöfe sei durch das Filmexperiment weiter gestiegen: „Die machen einen super Job“, sagt der 41-Jährige. In großer Runde wollen die beiden „Undercover Bosse“ demnächst die Sendung in einem angemieteten ehemaligen Kino in Regensburg zeigen – und dazu möglichst viele Beteiligte einladen.

Info: Die 120 Minuten lange Folge von „Undercover Boss“ mit den Geschwistern Ruscheinsky wird am Montag, 13. Juli, ab 20.15 Uhr bei RTL gezeigt.

 

Zum Originalartikel: https://www.rnz.de/region/sinsheim-kraichgau_artikel,-Bad-Rappenau-Autohof-24-Chefs-waren-als-RTL-Undercover-Bosse-unterwegs-_arid,2374395.html#google_vignette


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