Elektro-Boom „verändert unsere Autohöfe“

Elektro-Boom „verändert unsere Autohöfe“
23.09.2026
Wirtschaftsflaute im Lkw-Bereich bemerkbar – Chefs der Regensburger 24-Autohofgruppe im Interview
Herr Ruscheinsky, an Ihre Autohöfe kommen täglich Tausende Lkw- und Autofahrer. Können Sie anhand der Tankzahlen erkennen, wie es der deutschen Wirtschaft geht?
Daniel Ruscheinsky: Auf jeden Fall. Der Lkw-Bereich ist ein Abbild der Wirtschaftsleistung. Über das Jahr hinweg gibt es da immer eine gewisse Fluktuation. Man sieht aber, dass die getankten Liter beim Lkw rückläufig sind. Und das ist darauf zurückzuführen, dass es in der Wirtschaft schlecht läuft.
Wie deutlich ist das Minus?
Daniel Ruscheinsky: Im Branchendurchschnitt ist der Lkw-Verkehr im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent zurückgegangen. Dass dieser Bereich rückläufig ist, sehen wir aber schon seit ungefähr drei Jahren. Dieses Jahr war der größte Rückgang. Wir haben Standorte, die an wichtigen Routen für die Automobilindustrie liegen. Und an solchen Standorten sehen wir, dass dort der Rückgang noch höher ist als bei anderen, weil die Autoindustrie gerade brutal stagniert.
Wie sieht es im Pkw-Bereich aus? Die Spritpreise sind enorm hoch.
Daniel Ruscheinsky: Hier sind die getankten Liter in etwa gleichgeblieben. Die Leute auf der Autobahn fahren immer noch genauso viel wie zuvor – trotz der hohen Spritpreise. Wobei es da sicherlich Unterschiede zwischen normalen Tankstellen und Autohöfen gibt. Wer auf der Autobahn unterwegs ist, muss ja zwangsläufig tanken.
Wie beeinflussen die hohen Spritkosten die Konkurrenzsituation zwischen Ihren Autohöfen und Autobahnraststätten? Bei Letzteren ist der Sprit ja nochmal teurer.
Daniel Ruscheinsky: Zuerst einmal muss man sagen, dass wir keinen Einfluss auf den Spritpreis an der Zapfsäule haben. Dieser kommt von der Mineralöl-Gesellschaft. Auch wir würden uns freuen, wenn der Sprit wieder günstiger wird. An Autohöfen kostet der Liter Sprit zwischen 30 und 50 Cent weniger als bei den Raststätten auf der Autobahn. Und tatsächlich fahren immer mehr Leute von der Autobahn ab, um Geld zu sparen. Früher war das noch anders. Heute muss jeder – auch viele Firmen – aufs Geld schauen.
Frau Ruscheinsky, den Bereich neue Mobilität verantworten Sie in der Firmengruppe. Es kommen zwar aktuell weniger Lkw-Fahrer, aber dafür steigt die Nachfrage im Bereich E-Mobilität. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation bei der Ladeinfrastruktur?
Roxanne Ruscheinsky: Für den Pkw sind unsere Standorte mittlerweile extrem gut ausgebaut. Wir haben im Schnitt 40 Superschnellladepunkte pro Standort. Heuer – vermutlich auch wegen der geopolitischen Situation – merkt man einen enormen Hochlauf der E-Mobilität.
Der weitere Ausbau ist also ein großes Thema. Wo liegen dabei die größten Herausforderungen?
Roxanne Ruscheinsky: Neben dem Flächenbedarf und den erforderlichen Genehmigungen besonders bei der verfügbaren Stromkapazität. Gerade die Netzanschlüsse sind momentan ein großer Flaschenhals. Wir haben teilweise bereits unterschriebene Verträge und eine hohe Nachfrage, bekommen von den Versorgern aber Rückmeldungen, dass in den nächsten Jahren keine zusätzlichen Stromkapazitäten verfügbar sind. An manchen Standorten können wir deshalb seit mehreren Jahren nicht ausbauen und werden voraussichtlich auch in den nächsten Jahren nicht weiterkommen. Es ist schon eine komische Situation, der Bund möchte den Hochlauf der Elektromobilität, kann aber die dafür notwendigen Netze nicht liefern.
Welche Möglichkeiten gibt es, wenn die notwendige Netzleistung vor Ort nicht verfügbar ist?
Roxanne Ruscheinsky: Es gibt an der ein oder anderen Stelle Möglichkeiten, aber die sind häufig nicht ausreichend. Das Thema Batteriespeicher wird immer wichtiger. Mittlerweile sprechen wir von Leistungen im Megawattbereich, die große Ladeparks, wie man sie an unseren Autohöfen vorfindet, benötigen. Wenn der Netzbetreiber aufgrund der mangelnden Kapazitäten nur einen Netzanschluss mit vielleicht 300 kW zur Verfügung stellen kann, kann mit einem großen Batteriespeicher Leistung entsprechend zwischengespeichert werden. Solche Batteriespeicher sind allerdings sehr kostenintensiv. Da sich die Situation um Netzkapazitäten über die nächsten Jahre immer weiter zuspitzen wird, sind wir an allen unseren Standorten auf der Suche nach zusätzlichen Flächen, um Photovoltaikanlagen errichten zu können, um so in Kombination mit Speichern den Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter voranzutreiben. Das macht aus vielerlei Hinsicht extrem viel Sinn, da Stromerzeugung und -bezug lokal zusammenliegen und Lastspitzen durch den Speicher reduziert werden können, aber ganz ohne Netz geht es auch damit nicht.
Und wie ist die Lage bei batterieelektrischen Lkw?
Roxanne Ruscheinsky: Stand heute gibt es rund 5000 vollelektrische schwere Nutzfahrzeuge. Das ist nicht einmal ein Prozent der Flotte. Und für die gibt es theoretisch schon genug Ladeinfrastruktur, weil sie heute auf die Pkw-Infrastruktur zugreifen können. Das ist aber nicht ideal. Ziel ist natürlich, den Hochlauf zu befähigen, den die Politik plant.
Das heißt, Sie sehen Elektromobilität als das Zukunftsthema. Gerade in Bayern bringt Hubert Aiwanger aber ja immer wieder Wasserstoff ins Spiel.
Roxanne Ruscheinsky: Im Pkw-Bereich wird Wasserstoff keine Rolle spielen. Beim Lkw muss noch abgewartet werden. Derzeit läuft ein Förderaufruf der deutschen Bundesregierung zum Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland. Viele Marktakteure sehen aber den batterieelektrischen Lkw vorne. Für uns gilt am Ende, dass wir am Autohof alle Antriebsformen zur Verfügung stellen müssen, sobald sie marktreif sind.
Inwiefern ändert der Hochlauf der E-Mobilität das Geschäftsmodell auf Ihren Autohöfen?
Roxanne Ruscheinsky: Der Hochlauf der E-Mobilität verändert unsere Autohöfe vor allem in zwei Punkten: Der Flächenbedarf steigt enorm, und gleichzeitig wird die Aufenthaltsqualität immer wichtiger. Wir müssen heute zusätzlich Platz für Ladeinfrastruktur für E-Pkw und künftig E-Lkw schaffen – parallel zu Diesel, LNG, Wasserstoff und weiteren Energieträgern. Bei immer knapperen und teureren Flächen sind das enorme Investitionsentscheidungen.
Gleichzeitig kommen die meisten Gäste schon heute nicht nur zum Tanken oder Laden zu uns, sondern vor allem, um Pause zu machen: für einen Kaffee, eine Stärkung, den Besuch der Sanitäranlagen oder einfach, um sich kurz die Beine zu vertreten. Die durchschnittliche Ladedauer an unseren Standorten beträgt gerade einmal rund 18 Minuten – das ist gar nicht so viel. Umso wichtiger ist, dass diese 18 Minuten gut genutzt werden können. Deshalb investieren wir verstärkt in Kaffee-Lounges, schnelles Wlan, eine hohe Aufenthaltsqualität und beispielsweise auch Fitnessgeräte im Außenbereich.
Das Interview führte Franziska Mahler.
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